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05.12.2015

05.12.2015 - Vier - Nepal

Ein Text ohne Öffentlichkeitsfilter, mit der Hoffnung, dass ein bisschen Unverfälschtheit zwischen den Worten hängen bleibt. 


Nepal 

Zukunftspläne kreisen in meinem Kopf als wir fahren, in unserem Touristvan am Fluss entlang, von Kathmandu nach Baratpur, Chitwan, Sauhara. Die Berge sind so riesig wie ich sie noch nie gesehen habe vor uns grün, weiter hinten neblig, nehmen sie eine fast blaue Färbung an und immer wieder der gewaltige Fluss, mit Strand am Ufergräbt sich durch das Tal und ich stelle mir vor.
Ich stelle mir viel vor seitdem ich in den Flieger gestiegen und angekommen bin.

Am Abend vor Nepal kreisen die Gedanken darum, den nächsten Tag zu überleben und an meinem Zielort anzukommen und dann bin ich in meinem zu Hause seit zwei Monaten und packe und räume mein Zimmer aus weil Simon dort einziehen wird, ich bin noch lange wach und dann schlafe ich fünf Stunden lang, vor meinem Fenstern Morgennebel.
Ich schaffe es tatsächlich ins Flugzeug. Vorher trinke ich Kaffee und verbrenne mir die Zunge. Dann schlafe ich. Dann treffe ich eine Schweizerin, die aber nur französisch spricht und wir teilen uns ein Taxi.
Und dann bin ich alleine, lege mich in das viel zu warme Bett im viel zu kühlen Kathmandu und schlafe mit leerem Magen ein.
Ich gehe nach oben, esse Momos und treffe einen Holländer der Alex heißt und den Mount Everest besteigen will und dann kommen die anderen. Ich habe das Gefühl, dass es gut werden wird.

 Am nächsten Tag bin ich müde. Ich weiß, dass wir in ein Kloster fahren und dass der Boss dort Menschen segnet. Ich bin noch ein bisschen orientierungslos. Wir essen im VIP Bereich und sind unter den ersten 200 Menschen die vom Karmapa gesegnet werden. Draußen hat sich eine Schlange gebildet, den ganzen Berg hinunter warten Menschen auf den roten Punkt und eine Berührung von Karmapa, als wir unten ankommen sehe ich die zweite Schlange. Ich, weiß, gerade in den Buddhismus hineingestolpert, fühle mich schlecht. 
  
(…)


Ich liege in der Hängematte und sitze auf dem Wellblechdach, um mich herum die dunkler werdende Stadt. Ich habe sie schon jetzt ins Herz geschlossen.
 (…)
Eine alte Jazzbar, viele Menschen, Momos und Bier. Ich fühle mich wohl und dann möchte ich alleine sein, stehe zwischen Gesprächen und lausche mal dem einen, mal dem anderen
 (…)

Wir spinnen Zukunftspläne in Nepal. Ich spinne meine eigenen in meinem Kopf daneben und verstricke alles zu einem. Davor gehen wir lange essen, Momos und Reis und noch etwas anderes und die anderen lesen E-Mails und ich versuche mich selbst wieder einzupendeln, Balu liegt in einer Hängematte, liest und bringt nepalesische Kinder zum Lachen.
Als es dunkel ist landen wir wieder am selben Ort und schauen uns eine Bilderdiashow an. Ich erinnere mich an nackte alte und junge Frauen die sich gegenseitig tragen und Brasilianische Models. Und langweilige Polaroidstrandbilder. Wir fahren zurück mit irgendeinem Bus der vielleicht von Lazimpat Richtung Thamel fährt. Ich sitze zwischen den anderen auf der Rückbank und fühle mich pudelwohl.

(…)
danach gehen Lars, Noah und ich Falafel essen, der den Habibifalafel auf der Zülpicher Straße schlägt.

(…) 
wir reden über die Welt, meine und seine und ich euphorisiere, während wir über die Schönheit der Welt philosophieren. Ich decke meinen durchgefrorenen Körper mit Zufriedenheit zu.

(…)
Ich gehe auf das Wellblechdach und sehe Noah beim Fotografieren zu. Wir gehen los um den Shuttlebus zum Jazzmandu zu finden. Noah springt auf der Straße und auf Mauern herum und schießt mit seiner 5d herum. Ich fotografiere hier sehr wenig und das ist okay.
Ich meditiere auf der Ete Petete Veranstaltung und bin sehr zufrieden. Ich euphorisiere erneut und plötzlich wird die Musik gut. Eine Kubanerin basst endlich. Ich tanze mich glücklich.
Wir wollen wieder Falafel essen. Der Falafelladen hat zu und wir essen Chickenwraps. Wir stolpern ins Deep Purple, wo irgendein Mattlekonzert stattfindet, wir wollen mehr Bässe und finden keine, dann stolpern wir zurück ins Hostel. Verrückt, wie alles passiert. Ich rede mich leer.
Euphorie, Euphorie.

(…)
Verkatertes drei Stunden Yoga, ich holde Falafel und Chicken Wraps mit Noah, wir laufen durch Thamel, enge bunte Gassen, Lichter, Touristen und Touristenshops. Vielleicht essen wir Kuchen. Vielleicht essen wir am nächsten Tag Kuchen.

(…)
Man sollte aufhören, seine Gedanken darauf zu fokussieren was man sagen möchte, dann merkt man sich die Worte des anderen besser.

(…)
Wir stehen früh auf und quetschen uns zu fünft in ein Minitaxi. Vor dem Monkeytempel kaufen wir Kaffee, den ich auf dem Weg die Stufen hinauf auf meiner Hose verteile, ein Affe zieht Lars unser Obstfrühstück ab. Irgendwann kommen wir dann wohl oben an und ich meditiere wieder, während ich langsam aufwache. Der Karmapa hat sich wohl heute als Top Secret Act angemeldet. Ich mache Fotos.  

(…)

Wir klettern zusammen auf ein Dach, beobachten den Boss wie er Erdbebenschäden besichtigt und trinken sehr leckeren Citrussaft. Ich bekomme Hunger. Wir essen sehr guten Scheiß mit Reis. 
(…) 
Wir streifen durch die Altstadt von Kathmandu, Patan,  ich bin verliebt. Die Veranstaltung ist ein bisschen lahm und das Essen ist gut. Dann gehen wir raus, kaufen Obst und machen uns auf den Weg nach Hause.

Wir fahren Taxi zum Jazzmandu Finale. Ich möchte im Garten meditieren und werde vertrieben. Scheiß High Society Veranstaltungsorte. Irgendwann wird die Musik wieder, Noah und ich machen Kamerateamwork – fotografieren – tanzen- fotografieren. Zwischendurch Tee trinken. Die Party ist vorbei und wir feiern weiter. Es soll eine Aftershowparty geben und ich hoffe immer noch auf Drum n Bass, also machen wir uns auf, mit Indern aus Mumbai und anderen Menschen deren Herkunft ich vergessen habe.
Wir kommen an und die Musik ist semi gut. Dann plötzlich Bass. Viel Bass. Ich ziehe meine Klamotten nach und nach aus und tanze am Ende in Leggins und top, exe Wasser, bis es vorbei ist und wir draußen vor akward Statuen Bilder machen. Zwischendurch jammere ich ein bisschen mit den Inderinnen wie ekelhaft Delhi sein kann.

(…)
dann schlafe ich ein.


Wir fahren raus aus Kathmandu, durch ein unglaubliches Tal, riesige grüne Hügel soweit das Auge reicht. Here we are.
Die Luftfeuchtigkeit wird so hoch sein dass es nebelt. Ich werde Krokodile sehen. Ich werde mit Kindern tanzen und mit Mädchen Selfies machen.

(…)

aber das ist gut so, es ist gut manchmal aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden um sich dann wieder zu fangen. Ich werde Elefanten waschen und auf einem klapprigen Fahrrad über die Dörfer und durch den National Park fahren, wir werden das Projektgebiet besuchen und zu einer Schule auf den Bergen klettern und Streetfood essen.

(…)  
 
im Bett chillen und Star Wars gucken und mich pudelwohl fühlen und ansonsten nicht sehr viel machen bis wir wieder durch das Tal fahren, die Lichter der Häuser oben sehen aus wie Sterne und ich stelle mir vor wie ich diesen Fluss entlangwandere.
Ich tippe einen Text auf dem Weg über holprige Straßen.

Ich verabschiede mich. Von der Stadt. Von der Hängematte. Von den liebsten Menschen und schlucke Vermissen herunter. Der Hostelbaba hängt mir ein „Viel Glück auf der Reise“ Tuch um und ich setze mich in das Taxi, vermisse schon jetzt, weil ich mich vor dem Vermissen fürchte.


Ich sitze in der Metro Airport Express Line und die Sonne geht gerade unter.
Als ich zu Hause bin scheinen die Wände näher beieinander, als ich sie in Erinnerung hatte und ich laufe aufgekratzt durch die Wohnung, am liebsten würde ich meine Sachen packen und direkt am nächsten Tag wieder los.
Ich bin ein Energieball der den Lebenshang herunterrollt.
Ich akzeptiere, dass mein Platz für die nächsten sieben Monate hier ist. Und beschließe, dass ich Lust habe, mich zu verlieben.