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14.02.2016

Lass mal bisschen quatschen.



Mein letzter Blogeintrag ist ja schon wieder Weihnachten her, ups. Ich habe letztens noch einmal einen verfasst, der war mir aber zu poetelnd, das kann man Delhi irgendwie nicht antun und das hier soll ja auch irgendwie ein bisschen an Indien angelehnt sein, nicht so sehr den komischen Irrungen und Verwirrungen in meinem Kopf.
Mir ist dann aufgefallen, dass man irgendwie nur schreibt, wenn man sich selbst einredet, dass man gerade hochgradig depressiv ist, natürlich nur metaphorisch gesehen. Dann findet man ja die Zeit dazu und außerdem kann man sich dann mal richtig schön auskotzen. Da meine poetelnde Sprache dann auch immer wieder zur Melancholie neigt, also alles irgendwie noch mehr runterzieht, denken dann irgendwie immer alle  dass es mir hier echt scheiße geht. So schlimm ist’s aber dann doch gar nicht.







Ich bin im Alltag angekommen, das hat meinen ersten Weltverbesserer Tatendrang ausgebremst, was objektiv gesehen nicht das Schlechteste ist. Meine Organisation ist manchmal ein bisschen wie ein sehr gut organisierter Hippieverein, irgendwie verstehen sich alle und haben viele Meetings wo sie dann reflektieren dass sie sich zwischendurch doch nicht so gut verstehen (natürlich reden sie in diesen Meetings auch über konstruktive Dinge wie Arbeit).

Am Anfang hatte ich mir ziemlich fest vorgenommen, eine Viva con Agua Crew in Delhi zu gründen, dann aber festgestellt, dass das doch nicht ganz so einfach ist.
Alles in allem hatte ich ein nettes Treffen mit dem Direktor vom Lotus Tempel, zwecks eines Events zum Thema Wasser. Das mit dem Event hat nicht so wirklich hingehauen aber ich hatte eine noch nettere Führung durch den Tempel ohne Touri Anstehzeiten, der Lotus Tempel wird übrigens häufiger besucht als der Eiffelturm, bäm (was wahrscheinlich daran liegt, dass es eine Milliarde Inder gibt und der Eintritt for free ist, selbst wenn man weiß ist. Um ins Kunstmuseum zu gelangen muss ein Ausländer 500 Rupies (ca 7 Euronen) zahlen, wo hingegen ein Inder 20 Rupies (ca 30 Cent) zahlt).









Wir haben jetzt auf der Arbeit UNO im Gemeinschaftsraum, ich habe demnach das Gefühl, endlich meinen Platz dort gefunden zu haben. Ich mache auch immer fleißig Malklassen in denen ich aufpasse dass die Kinder nur sich selbst anmalen und nicht die Teppiche und die Wände, aber meine Schüler scheinen zahlen-und altersmäßig langsam ein bisschen anzusteigen also könnte sich das eventuell zu einem ganz sinnvollen Nebenprojekt entwickeln. (Nicht, dass ich die Kids nicht mögen würde. Indische Kinder sind wirklich sehr süß.) Dann bereite ich noch eine Diskussionsklasse pro Woche vor, mir gehen aber ehrlich gesagt langsam die Themen aus. Hätte ich auch nie für möglich gehalten.

Ansonsten war ich eben die letzten drei Monate hier in Delhi und auch ehrlich gesagt abwechselnd auf der Arbeit und in der Wohnung, aber eigentlich finde ich daran gar nicht viel auszusetzen, ich bin ja, wie gesagt, im Alltag angekommen. Zwischendurch jammere ich dann wieder ein bisschen rum, das ist aber rückblickend auch ganz gut, dann höre ich weniger auf andere und motiviere mich mal dazu, ein bisschen frische Luft außerhalb Delhis zu schnuppern, das tut Körper und Seele denke ich dann auch mal wieder ganz gut.
Gestern war ich im Neruh Park. Es hat immer wieder etwas apokalytisches Delhi von oben zu sehen, flache Dächer verschwinden im Smog am Horizont, Vögel, meist Adler oder Raben kreisen und die Sonne geht als riesiger, roter Feuerball unter. Das Ende der Stadt ist nicht in Sichtweite und die Ausmaße dieser nicht zu begreifen.
Ich muss dann jetzt auch los. Ich hoffe ihr habt euch ordentlich ausgenüchtert nach dem ganzen Karnevalstrubel und kommt mit dem Verlust eurer wertvollen Gehirnzellen soweit klar.