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16.05.2016

Vergleiche

ja, ich habe mir nur für dieses Bild den Punkt zwischen die Augenbrauen geklebt. Die Augenringe sind auch geschminkt. Alles fake.

Der Duden definiert Reue als ‚ein tiefes Bedauern über etwas, was nachträglich als Unrecht, als (moralisch) falsch empfunden wird.

Bereuen ist vielleicht ein zu starkes Wort, aber es bleibt bloß noch ein Monat, die Zeit verläuft zwischen sich auf zu Hause freuen und wissen dass man das hier doch alles irgendwie vermissen wird weil hier irgendwie auch zu Hause ist. Und dann bereut man doch ein wenig.
Dass man die Sprache nicht von Anfang an anständig gelernt hat, dass man kein perfektes  Englisch gesprochen hat als man hier hingekommen ist, dass man in der Wohnung  geblieben ist, anstatt rauszugehen, dass das mit der Arbeit alles doch alles irgendwie besser hätte klappen können, dass man öfter in die Bibliothek hätte fahren können, öfter das Gemüse auf dem Markt hätte kaufen können, dann doch irgendwo noch Energiereserven hätte ausgraben könne, um noch dies und das und jenes zu machen. Denn da war ja vorher diese Freiwillige auf der Arbeit, die sich dem Projekt hingegeben hat und von allen verehrt wurde, denn da ist ja dieser andere Freiwillige, der nach neun Monaten fließend Hindi spricht und sich Freitags Abends mit Studenten trifft um über die politische Lage in Indien zu diskutieren.
Ich frage mich auf welchem Platz ich stehe, auf dieser Frewilligenstreberliste.
Zwischendurch erscheinen indische Hipster auf der Bühne deren Leben aus fotografieren und reisen besteht. Und dann schaut man ein wenig zurück auf alles, was die letzten acht Monate passiert ist, was man ‚geschafft‘ hat und woran man ‚gescheitert‘ ist und dann scheint der Scheiterhaufen plötzlich so riesig. 

Aber ich bin immer noch hier. Ich fühle mich immer noch wohl. Ich distanziere mich, ich reflektiere, ich mache Dinge anders. Plötzlich ist da gar kein Desaster mehr. Plötzlich bin ich ein bisschen wütend, ein bisschen traurig und ich bin wieder sehr, sehr glücklich. 

Am Anfang glitzert und glänzt alles. Alles ist neu. Alles ist anders. Man muss nur den Satz ‚Ich bin wirklich in Delhi angekommen‘ zwei Mal wiederholen um sich in Euphorie zu versetzen. Irgendwann wird es Alltag, einfach nichts Besonderes mehr, Normalität. Ich sehne mich nach etwas Besonderem, hier und da im Alltag etwas Besonderes finden, ja, aber irgendwie wird es dann doch wieder Zeit für etwas Neues. Aufbruch in einem Monat, Aufbruch jeden Tag.